Zu wenig Milch
Es kommt nur sehr selten vor, dass eine Frau wirklich zu wenig Milch für ihr Kind produziert. Was sehr häufig vorkommt, ist die Angst nicht genug Milch zu haben – und das ist der Sache wirklich nicht förderlich.
Was die Milchbildung am besten fördert ist das häufige Anlegen des Kindes. Die meisten Milchbildungstees oder Stilltees haben kaum wissenschaftlich bestätigte Wirkung. Sie wirken meist durch eine Art Placebo-Effekt, also weil die Frau das Gefühl hat, endlich etwas tun zu können. Zudem kann schon das kleine Ritual des Teemachens so entspannend sein, dass es "von selbst" mit der Milchbildung klappt. Es kursieren auch Hausrezepte, die die Milchbildung unterstützen sollen, wie etwa eine Kartoffelsuppe aus selbst gekochter Hühnerbrühe oder ähnliches.
Es kommt wirklich selten vor, dass eine Mutter dauerhaft zu wenig Milch produziert – die Nachfrage regelt normalerweise das Angebot, so dass auch die Mütter von Zwillingen ihre Kinder voll stillen können. Das ist übrigens auch bei Drillingen und anderen Mehrlingen möglich, aber enorm unpraktisch.
Das Kind regelt also gewissermaßen selbst, wie viel Milch die Mutter produziert. Das geschieht einerseits durch die Häufigkeit der Mahlzeiten, andererseits durch die getrunkene Menge. Gerade anfangs ist es deshalb besonders wichtig, dass das Kind häufig angelegt wird, damit sich das Angebot an Milch der Nachfrage anpassen kann.
Dabei ist es vollkommen sinnlos, einen strikten Rhythmus einzuhalten. Das Baby soll angelegt werden, wann es will, auch wenn die letzte Mahlzeit nur eine Stunde oder auch weniger her ist. Oft wird das Kind auch nicht lange genug an der Brust gelassen. Natürlich muss das Baby so lange saugen, bis es von selbst fertig ist! Manche brauchen dazu 15 Minuten, andere 45. Wird das Kind zu früh von der Brust genommen, sinkt aber wiederum die Menge der neu gebildeten Milch, weil ja das vorherige Angebot nicht ausgenutzt wurde.
Der bei weitem größte Milch-Killer aber ist Stress. Je mehr Sorgen Sie sich also machen, ob Ihr Kind vielleicht unterversorgt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie tatsächlich weniger Milch produzieren.
Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass ihr Kind vielleicht zu wenig Nahrung bekommt, sie das Stillen aber nicht aufgeben möchten, sollten Sie sich am besten an Ihre Hebamme wenden, die Ihnen gerne helfen wird. Auch die Freien Stillgruppen oder die La Leche Liga unterstützen das Stillen und helfen Müttern bei Problemen gerne weiter. Gerade bei "Fehlern" wie falschem Anlegen des Kindes ist ihre Fachkenntnis unschätzbar.
Stillprobleme sollten kein Grund sein sofort abzustillen. Oft lässt sich mit etwas Hilfe – und Geduld – noch eine für beide Seiten befriedigende Stillbeziehung mit all ihren Vorteilen herstellen.